Von Deiner Tochter Daniela
Hey Papa ❤️
eigentlich hätten wir das schon viel früher machen sollen.
Ich kann dir nicht sagen, warum wir nicht von Anfang an
eine eigene Gedenkseite für dich hatten – und es gibt auch
keine wirkliche Entschuldigung dafür.
Nein, Mama ist nicht wichtiger als du.
Aber Mama hat uns alle doch länger begleitet.
Wie sagt man so schön:
„Besser spät als nie.“
Wir haben zwar eine Gedenkseite für dich,
aber irgendwie gerät sie immer wieder in Vergessenheit.
Zuletzt wollten wir dort Einträge hinterlassen,
die dann nicht vollständig angezeigt wurden.
Das war sehr, sehr ärgerlich – vor allem,
weil Tati dir vor ihrem Tod geschrieben hat
und ihre Worte dort einfach nicht stehen.
Ich möchte dir sagen, wie sehr du mir fehlst.
Ich denke nicht jeden Tag an dich,
denn die Zeit macht vergesslich.
Das bedeutet nicht, dass du vergessen bist
oder jemals vergessen wirst.
Du warst ja schon zu Lebzeiten
nicht immer sehr präsent.
Es ist schwierig zu erklären,
aber seit dem Tod von Mama wird mir bewusst,
dass wir dich vernachlässigt haben.
Ich hätte dich auch gerne
in einer kleinen Urne bei uns zu Hause,
auf einem Regal stehen.
Ach, wäre das neue Bestattungsgesetz
doch schon früher da gewesen.
Heute werde ich ein paar Fotos ausdrucken lassen.
Es werden langsam immer mehr Menschen,
die von uns gehen.
Wenn ich bei MyHeritage unseren Stammbaum anschaue,
gruselt es mich.
So viele schwarze Schleifen
über unseren Bildern.
Oma lebt noch,
aber sie ist auch schon 87 Jahre alt.
Wer weiß, wie lange sie noch da ist.
Vielleicht klappt es ja noch,
dass Thorsten und ich sie richtig kennenlernen.
Vielleicht schaffen wir es auch,
einen besseren Bezug zu unserer Familie
mütterlicherseits aufzubauen.
Zu Tante Ursula und Onkel Günther
habe ich einen guten Bezug.
Was mich traurig macht:
Niemand kann mir etwas über meine Kindheit erzählen –
oder niemand will darüber reden.
Dabei wäre es so wichtig für mich.
Ich habe so viel vergessen
und möchte mich so gerne erinnern.
Ach, wärst du doch noch hier.
Ich hätte dich so gerne
über die Vergangenheit ausgefragt.
Dafür hätten wir nüchterne Momente gebraucht.
Es ist so schade,
dass du ohne Frau an deiner Seite
dem Alkohol verfallen bist.
Wir konnten deshalb
keine richtige Beziehung zu dir aufbauen.
Der Alkohol hat so viel zerstört –
vor allem dein Leben.
Auch wenn du nicht jeden Tag
in meinen Gedanken bist:
In meinem Herzen wirst du immer sein.
Ich liebe dich ❤️
Von Deinem Sohn Thorsten
Hey Papa,
ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll
oder welche Worte die richtigen sind.
Es sind inzwischen viele Jahre vergangen,
seit du nicht mehr hier bist.
In meinem Leben hat sich viel verändert
und es ist sehr viel passiert.
Ich hoffe, dort oben hast du gute Gesellschaft gefunden
und vielleicht hast du Tati kennengelernt.
Sie hat mich leider auch viel zu früh verlassen.
Sie war mein Anker, mein Mittelpunkt,
und ich vermisse sie sehr.
Der Gedanke, dass ihr dort oben
alle zusammen seid,
spendet mir wenigstens ein wenig Trost.
Ich bin oft in Worms.
Ich fahre an den Orten vorbei,
an denen du früher immer gesessen hast –
alleine oder mit deinen Kumpels.
Und jedes Mal stelle ich mir vor,
du siehst mich
und wir reden miteinander.
Leider ist das nicht mehr möglich.
Ich vermisse dich sehr.
Ich hätte dir so gern den kleinen Joshua vorgestellt.
Aber weißt du was:
Er trägt unseren Namen
und vor allem trägt er deinen Namen.
Joshua Herbert Klingler.
Das wollte ich damals unbedingt so
und Tati war sofort einverstanden.
Wenn ich in Worms bin,
komme ich dich immer besuchen.
Und wenn ich dich nicht an den Orten finde,
an denen du früher warst,
dann weiß ich genau,
wo ich dich finde.
Ich würde am liebsten noch ewig schreiben,
aber mir fehlen gerade die Worte.
Über all das zu schreiben
macht mich sehr traurig.
Aber eines weiß ich:
Wir sehen uns wieder.
Das steht fest.
Ich liebe dich sehr ❤️